
In einer Zeit der ständigen Reizüberflutung, von Social Media, endlosem Scrollen und Reels im Sekundentakt, ist unsere Aufmerksamkeit die wichtigste Währung geworden, die wir besitzen. Nur wer seinen Fokus gezielt lenken kann und sich nicht in diesem Strom aus Informationen und Reizen verliert, kann ein selbstbestimmtes und gutes Leben führen. Genau darum geht es für mich beim Meditieren.
Der erste Moment, ohne es zu wissen
Lange bevor ich überhaupt wusste, was Meditation ist, hatte ich meine ersten echten meditativen Erfahrungen – beim Tischtennisspielen. Es gab diese Momente, in denen ich vollkommen eins mit dem Spiel war. Kein Gedanke an vorher, kein Gedanke an nachher, nur der Ball, die Bewegung, der gegenwärtige Moment. Erst viele Jahre später habe ich verstanden, dass das mein erster Kontakt mit dem war, was man Flow oder eben auch Meditation nennt.
Eine Vorbereitung, ohne es zu ahnen
Mit achtzehn, neunzehn Jahren begann ich meine Physiotherapie-Ausbildung. Dort kamen die ersten Körperscans und Körperreisen dazu. Waren das schon echte Meditationen? Im Rückblick würde ich sagen: nein, noch nicht. Aber es war eine wichtige Vorbereitung, eine Öffnung. Diese Zeit hat den Boden bereitet und mich offen gemacht für das, was danach kam.
Der bewusste Anfang: der Buddhismus
Richtig, offiziell angefangen habe ich zu meditieren, als ich mich mit dem Buddhismus beschäftigte. Ein Dozent und Kollege von mir, Sportwissenschaftler mit Doktortitel und praktizierender Buddhist, hat mich durch sein tägliches Vorleben inspiriert. Er lieh mir ein Buch, das mich sehr geprägt hat: Wie die Dinge sind von Ole Nydahl. Von da an begann ich, mich klassisch hinzusetzen und die ersten richtigen Meditationsübungen zu machen.
Neuseeland: Struktur und Vertiefung
Um 2015/2016, ich war damals auf Yoga-Retreats in Neuseeland, kam eine Phase, die mich stark geprägt hat. Ich lernte dort viele Meditierende kennen und war auch bei einem buddhistischen Lehrer. In dieser Zeit habe ich außerdem eine einjährige Yogalehrerausbildung gemacht. Diese Erfahrungen haben mich bestärkt und mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Parallel dazu entdeckte ich die App Headspace, die mir endlich eine klare Struktur gab. Kurze, undogmatische Meditationen von etwa sieben Minuten, mit spürbar guten Effekten. Diese Kombination – die Inspiration aus Neuseeland und die Regelmäßigkeit durch die App – gab meiner Praxis zum ersten Mal ein festes Fundament.
Das Leichteste und das Schwerste zugleich
Wenn ich versuchen müsste, in einem Satz zu beschreiben, was Meditation für mich ist, dann dieser: Meditation ist das Leichteste und das Schwerste der Welt zugleich.
Das Leichteste, weil man nichts braucht außer sich selbst. Keine Gegenstände, kein Zubehör, keine besonderen Bedingungen. Und das Schwerste, weil der Geist ständig versucht zu flüchten, sich abzulenken, statt einfach bei sich selbst zu bleiben, sich selbst zu erkunden, sich selbst zu begegnen.
Wo ich heute stehe
Über die Jahre bin ich immer undogmatischer geworden. Ich habe viele verschiedene Techniken praktiziert: Visualisierungen, aktive und dynamische Meditationen, mit und ohne Bewegung, Energielenkungen und vieles mehr.
Heute nehme ich mir bewusst Zeit, fünf, zehn oder zwanzig Minuten, stelle den Handy-Wecker und checke bei mir selbst ein: Was ist gerade da? Wie fühle ich mich heute? Das ist für mich wie eine innere Dusche. Sie gibt mir ein frisches Gefühl im Kopf, ich kann mich für den Tag ausrichten oder den Tag noch einmal Revue passieren lassen.
Wichtig dabei: keine Erwartungen. Der häufigste Anfängerfehler ist, mit einer Erwartung an die Meditation heranzugehen und dadurch Druck aufzubauen, ein bestimmtes Ziel erreichen zu wollen. Genau das steht der eigentlichen Erfahrung im Weg.
Für mich hat Meditation allerhöchste Priorität, weil sie mir hilft, im Alltag zu agieren und zu kreieren, statt nur zu reagieren und zu funktionieren.
Die eigentliche Botschaft
Meditation hat mir geholfen, mich von einem schüchternen, introvertierten Jungen zu einem erwachsenen, selbstreflektierten, bewussten und aktiven Mann zu entwickeln. Einem Mann, der im gegenwärtigen Moment lebt und sich nicht von äußeren Einflüssen aus der Bahn bringen lässt.
Das ist, warum ich meditiere.